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Der Weg zum Euthanasie-Mahnmal – Eine (fast) unendliche Geschichte

von Gunter Jähnig

13. Oktober 2004 – Verabschiedung von Herrn Dr. J. Trogisch

Aus Anlass der Verabschiedung in den Ruhestand von Herrn Dr. Jürgen Trogisch, Referatsleiter für Schwerbehindertenangelegenheiten im Sächsischen Staatsministeriums für Soziales, kamen wir angeregt durch das Bild von Ursula Heidrich (s. Abb.) in seinem Arbeitszimmer auf das Thema der Aufarbeitung von den „Euthanasie“- Verbrechen in Leipzig zu sprechen. Ursula Heidrich lebte ab dem 17.08.1936 im Katharinenhof in Großhennersdorf, wurde dann nach Kleinwachau verlegt und kam am 23.05.1943 nach Großschweidnitz. Am 19. Februar 1945 wurde Ursula Heidrich im Rahmen des NS-Euthansieprogrammes ermordet.

Ursula Heidrich Er hat ihre Geschichte recherchiert, um sie und ihr Schicksal dem Vergessen durch die Nachwelt zu entreißen. Wenn man das Bild von Ursula Heidrich sieht, muss man auch sofort an Anne Frank denken. Durch unsere Unterhaltung hat uns Dr. Trogisch dazu animiert, uns für ein Gedenken und die Auseinandersetzung mit dem Thema der Euthanasie in Leipzig einzusetzen.

So entstand der Gedanke zur Schaffung eines Mahnmales in Leipzig, der Stadt, wo 1939 die Kindereuthanasie begann und 1920 die Schrift von Binding und Hoche: „Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens – Ihr Maß und ihre Form“ vom Felix Meiner Verlag Leipzig herausgegeben wurde. Karl Binding erhielt als Rektor der Leipziger Universität 1909 anlässlich der 500-Jahrfeier der Universität die Ehrenbürgerwürde der Stadt Leipzig verliehen.

25. Oktober 2004 – Behindertenbeiratssitzung

Vorschlag von G. Jähnig im Behindertenbeirat, einen Ort des Gedenkens an die Opfer der Euthanasieverbrechen zu errichten (Protokoll-Behindertenbeirat vom 25.10.04).

24. Januar 2005 – Behindertenbeiratssitzung 

Erneute Kurzbesprechung zum Thema. Vertagung auf die nächste Beiratssitzung (Protokoll-Behindertenbeirat vom 24.01.05).

20. Juni 2005 – Behindertenbeiratssitzung 

Erläuterung zum Sachstand durch G. Jähnig und Hinweis auf Gründung einer zeitweiligen Arbeitsgruppe (Protokoll-Behindertenbeirat vom 20.06.05).

13. Juli 2005 – 1. Arbeitsgruppensitzung 

Die zeitweilige Arbeitsgruppe zum Thema des Gedenkens an die Opfer der Euthanasieverbrechen trifft sich zum ersten Mal und beschließt die Suche nach weiteren Unterstützern (Protokoll-Arbeitsgruppe vom 13.07.05).

G. Jähnig wendet sich an die HTWK- Leipzig – Fachbereich Sozialwesen mit der Bitte um Unterstützung (Schreiben an Prof. Schweikart vom 4.8.05). In dem Schreiben wird die Vergabe einer Diplomarbeit mit dem Arbeitsthema: „Wo und wie wird der Opfer der Euthanasie- Verbrechen in Deutschland gedacht?“ angefragt bzw. angeregt. Prof. Schweikart sagte seine Unterstützung zu und leitete das Anliegen an seine Kollegen und Studenten weiter.

21. September 2005 – 2. Arbeitsgruppensitzung 

Es werden insbesondere weitere Kontaktanfragen beschlossen (Protokoll-Arbeitsgruppe vom 21.09.05).

23. November 2005 – 3. Arbeitsgruppensitzung 

Der Psychiatriekoordinator von Leipzig. Herr Seyde, informiert über seine Arbeit zur „Euthanasie“- Problematik. Es werden Vorschläge für die Form des Gedenkens gesammelt.

Zum ersten Mal taucht der Gedanke zur Einbeziehung des Gedenkens in die Gestaltung der Paulinerkirche (Neubau der Universitätskirche) auf (Protokoll-Arbeitsgruppe vom 23.11.05, Schreiben an Chefärztin Dr. I. Munk vom Park-Krankenhaus vom 02.12.05).

12. Dezember 2005 – Friedensgebet 

Erste Kollekte für das geplante Mahnmal zum Friedensgebet, das jährlich Anfang Dezember vom Behindertenverband Leipzig e.V. mit dem Netzwerk Weiterbildung gestaltet wird, in Höhe von 450,61 €,13 weitere Kollekten werden folgen mit einem bisherigen Gesamterlös von 2.796,09 € (Pressemitteilungen zum Friedensgebet am 12.12.05).

16. Januar 2006 – Behindertenbeiratssitzung 

Der Psychiatriekoordinator von Leipzig, Herr Seyde, berichtet dem Beirat über die in Leipzig stattgefundenen Kinder-Euthanasie-Verbrechen (Bericht über NS-Euthanasie in Leipzig an Behindertenbeirat-16.01.06) sowie Informationen zum Stand der Aktivitäten der Arbeitsgruppe über G. Jähnig und Informationen im Jahresbericht (Protokoll-Behindertenbeirat vom 16.01.06, Jahresbericht-Behindertenbeirat-2005).

1. Februar 2006 – 4. Arbeitsgruppensitzung

Die Arbeitsgruppe erweitert sich. Der Leipziger Künstler Matthias Klemm ist das erste Mal mit dabei und entwickelt auch erste Ideen für ein Mahnmal. Herr Klemm hat als Vater einer behinderten Tochter, die leider schon verstorben ist und durch das Zusammenleben mit seinem behinderten Schwager im eigenem Haus eine ganz besondere Sensibilität zur Thematik (Protokoll-Arbeitsgruppe vom 01.02.06).

7. März 2006 – 5. Arbeitsgruppensitzung

G. Jähnig hat einen Briefentwurf zur Begründung der Schaffung eines Euthanasiemahnmales erarbeitet (Briefentwurf-Jähnig-Wider das Vergessen in Vergangenheit … -03.03.06).

Die Idee, als Ort des Gedenkens den Neubau der Universitätskirche mit einem Stein des Anstoßes vorzuschlagen, wird immer konkreter. Weitere Kontaktpartner müssen und sollen gefunden werden (Protokoll-Arbeitsgruppe vom 07.03.06).

28. März 2006 – 6. Arbeitsgruppensitzung

Weitere Diskussionen zum Aufstellungsort. Vertreter des Vorstandes des Paulinervereins zeigten sich interessiert und aufgeschlossen. Mahnmal-1.Entwurf-Matthias Klemm-28.03.06Vorstellung des Mahnmalentwurfes von Matthias Klemm durch ihn persönlich. Es soll ein Stein des Anstoßens/Anstoßes sein, der leicht gekippt aus der Wand herausragt mit der Aufschrift: „Wider das Vergessen in Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft – Leipzig – 25.7.1939 – Beginn der „Euthanasie“ (Mahnmal-1.Entwurf-Matthias Klemm-28.03.06, Protokoll-Arbeitsgruppe vom 28.03.06).

7. Juni 2006 – 7. Arbeitsgruppensitzung 

Es erfolgt der Hinweis, dass wegen Gestaltung und Ort des Mahnmals Rücksprache mit der Stiftung „Denkmal“ genommen werden muss. Weiterhin sollte der Behindertenbeirat versuchen, einen Stolperstein für das erste Opfer der Euthanasie zu legen. Wegen des Mahnmals sollten alle Parteien einbezogen werden.

Herr Seyde weist auf eine Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung vom 15.11.06 über das Thema „Euthanasie“ hin und auf eine geplante Ausstellung zum gleichen Thema im Neuen Rathaus im Januar 2007 (Amtsblatt-Euthanasieausstellung-03.02.07, Protokoll-Arbeitsgruppe vom 07.06.06).

30. August 2006 – 8. geplante Arbeitsgruppensitzung wurde wegen Krankheit abgesagt.

23. September 2006 – 1. Stolperstein für ein Euthanasieopfer

Für Johannis Erich Palusczyk wird am 23.09.06 vor seinem früheren Wohnhaus am Lindenauer Markt 8 ein Stolperstein verlegt. Herr Palusczyk, geb. 1902, wurde wahrscheinlich am 3.7.1940 in der Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein ermordet.

15. November 2006 – Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung 

Gedenken würdig gestalten. Geschichte der „Kindereuthanasie“ in Leipzig
(Geschichte der ´Kindereuthanasie´ in Leipzig – FR.-EBERT-ST. -15.11.06)

Im Verlauf der Diskussion meldete sich eine ältere Dame aus dem Publikum und erklärte, dass sie die Schwester des vermeintlichen Kindes „K“ aus Pomßen sei und dass sich die in der Fachliteratur dargestellte Geschichte, von dem französischen Journalisten Philippe Aziz 1973 angeblich in Pomßen recherchiert, so nicht zugetragen haben kann. Denn zum einen war ihr Bruder nicht behindert und ihr gemeinsamer Vater schon lange vor dem vermeintlichen Interview von 1973 verstorben, da er nicht aus dem Krieg zurückkehrte.

9. November 2006 und 05. Dezember 2006 weitere Treffen des Arbeitskreises zur Klärung der weiteren Vorgehensweise

13. Dezember 2006 – Beschluss der 30. Ratsversammlung

Gedenken an die Leipziger Opfer der nationalsozialistischen Euthanasie-Verbrechen (Ratsbeschluss-Gedenken Leipziger Opfer NS-Euthanasieverbrechen-13.12.06).

11. Januar 2007 – 1. Schreiben an Universitätsrektor Prof. Häuser 

Erste Anfrage zur Schaffung eines Mahnmales im geistigen Zentrum der Stadt, dem Neubau der Universität. Das Gedenken und Mahnen soll mit der ethischen Auseinandersetzung in der Gegenwart verbunden werden: „Wider das Vergessen in Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft“. Bitte um einen Gesprächstermin (Schreiben an Uni-Rektor-11.01.07).

17. April 2007 – Gespräch beim Universitätsrektor Prof. Häuser 

Teilnehmer des Gesprächs waren die Behindertenbeauftragte, C. Hiersemann und G. Jähnig. Prof. Häuser sagte uns zu, unser Anliegen zur Schaffung eines Mahnmales an den Kunstausschuss weiter zu leiten.

10. Juli 2007 – 8. Arbeitsgruppentreffen 

Zur Klärung und Erörterung des Textes des Mahnmales und der Problematik des Kindes „K“ wurde Frau Prof. O. Riha, Direktorin des Karl-Sudhoff-Instituts für Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften, eingeladen. Bei dieser Zusammenkunft sah sie noch kein Problem mit dem Datum vom 25.07.39, was sie aber mit Mail vom 18.07.07 nach Rücksprache mit Prof. Benzenhöfer mit folgender Aussage revidierte:

a.) Die Identifizierung des „Kindes K.“ mit dem Knaben Kretzschmer aus Pomßen ist nicht mehr haltbar, ebenso wenig wie das Geburts- und Sterbedatum.

b.) Der Fall “Kind K.“ bleibt jedoch als “Anstoß-Fall“ für Leipzig erhalten, dies entspricht mehreren unabhängig voneinander geäußerten Einlassungen von Brandt, Hefelmann und Catel.

c.) Eine Auflösung des Namens in “Knauer“ (so die Aussage Hefelmanns) lässt sich in den Leipziger Archivalien nicht belegen.

d.) Eine Identifizierung könnte nur durch Zufall geschehen; das Geburtsdatum könnte sogar Ende 1938 liegen, für das Todesdatum gibt es nur den August 1939 als Terminus ante; in der “Kanzlei des Führers“ lassen sich entsprechende Planungen und Aktivitäten schon vor Kriegsbeginn nachweisen, aber nicht spezifizieren.

Nähere Informationen können der Publikation von Udo Benzenhöfer: „Der Fall Leipzig (alias Fall „Kind Knauer“) und die Planung der NS-„Kindereuthanasie“ (2008), Verlag Klemm + Oelschläger, entnommen werden, in Kurzform auch ein Artikel im Deutschen Ärzteblatt, 4.10.08 (Ärzteblatt-Richtigstellung-04.10.08).

3. August 2007 – Antwortschreiben des Uni-Rektors

Ohne auf unser Gespräch vom 17.04.07 mit seiner Anmerkung, dem Kunstausschuss unseren Vorschlag zur Schaffung eines Mahnmales im Universitätsneubau am Augustusplatz vorzulegen, favorisiert Prof. Häuser als Standort die Kinderklinik in der Oststraße. Anmerkung: Zu diesem Zeitpunkt war schon bekannt, dass die Kinderklinik umziehen wird (Antwortschreiben vom Uni-Rektor-03.08.07).

12. September 2007 – 2. Schreiben an Universitätsrektor Prof. Häuser

Wir bringen unsere Irritation zum Ausdruck, dass der Inhalt unseres Gespräches vom 17.04.07 keine Erwähnung findet und die Schaffung eines Mahnmales in einem leeren und funktionslos gewordenen Gebäude wie die ehemalige Kinderklinik in der Oststraße ein verstecktes Erinnern wäre, da es keinen Publikumsverkehr mehr gibt. Wir verweisen erneut auf den Neubau der Universität im Zentrum der Stadt (Antwortschreiben an Uni-Rektor-12.09.07).

5. September 2007 – 20. Oktober 2007 Sonderschau zu „Euthanasie“-Prozess 1947 im Sächsischen Psychiatriemuseum (LVZ-Artikel-Ausstellung-Euthanasie-Prozess-21.08.07)

Diese Ausstellung erhielt auch einen Hinweis auf den Operativ-Vorgang „Ausmerzer“, die Verstrickung der Staatssicherheit bei der Verschleierung von bzw. Vertuschung der Beteiligung an NS-Euthanasieverbrechen. Zitat aus einer Stasi-Akte vom 22.4.66:

Da sich der damalige Leiter der Heilanstalten in Stadtroda, Dr. (geschwärzt), bereits in Westdeutschland gerichtlichen Untersuchungen aussetzen mußte, andererseits Beschuldigte aus der DDR in höheren Positionen des Gesundheitswesen (Frau Dr. Albrecht – Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Jena, Dr. Schenk – stellv. Direktor des Stadtkrankenhauses Stadtroda) stehen, könnte bei Auswertung ein unseren gesellschaftlichen Verhältnissen widersprechendes Ergebnis erreicht werden. Aus diesem Grunde wird vorgeschlagen, die Bearbeitung des Vorganges mit einer Sperrablage im Archiv des MfS abzuschließen.“ (Stasi-Operativ-Vorgang `Ausmerzer`-22.04.66)

16. November 2007 – Änderung des Mahnmalentwurfes durch Matthias Klemm

Mahnmal-Überarbeitung des Entwurfs-Matthias Klemm-16.11.07Da das Datum vom 25.07.39 aufgrund der neuesten historischen Kenntnisse nicht aufrechterhalten werden kann, ändert bzw. aktualisiert Herr Klemm den Entwurf zu: “Leipzig – 1939 Beginn der Tötung behinderter Kinder – Genannt Euthanasie“ (Mahnmal-Überarbeitung des Entwurfs-Matthias Klemm-16.11.07).

Bestätigung des neuen Schriftzuges am Entwurf (E-Mail-Jähnig-Prof.Riha-Klärung Schriftzug-20.11.07).

Zu verschiedenen Veranstaltungen (Europäischer Aktionstag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung (LVZ-Artikel-Aktionstag-Mahnmaltransparent-05.05.08), Jahrestag der Sprengung der Universitätskirche (LVZ-Artikel-Gedenken-Unisprengung-Mahnmal-01.06.08), Erinnerung an Pogromnacht (LVZ-Artikel-Novemberpogrom-Mahnmal-10.11.08)Transparent-Mahnmal-Aktionstag-08.05.08 usw.) fordert der Behindertenverband Leipzig e.V. plakativ das Mahnmal im Neubau der Universität-Universitätskirche zu errichten (Transparent-Mahnmal-Aktionstag-08.05.08).

8. Mai 2008 – Auf dem Ostfriedhof der Stadt Leipzig wird ein Grabmal für Opfer der nationalsozialistischen Euthanasieverbrechen Grabmal für Opfer der nationalsozialistischen Euthanasieverbrechen Ostfriedhoffeierlich eingeweiht. Für Erwachsene und Kinder wurde jeweils getrennt eine Namenstafel geschaffen, um die Opfer aus der Anonymität zu entreißen (Sachsen-Sonntag-Grabmal-Ostfriedhof-27.04.08).

9. Juli 2008 – Tafel für Ehrenbürger der Stadt Leipzig

In einem LVZ- Artikel (LVZ-Artikel-Ehrenbürgertafel-09.07.08) wird der Leser darauf hingewiesen, dass im Neuen Rathaus eine Tafel mit den Ehrenbürgern der Stadt Leipzig angebracht werden soll. In diesem Zusammenhang wird der Fakt der Ehrenbürgerschaft von Karl Binding seit 1909 (in der Literatur ist z. T. mit 1913 ein falsches Datum genannt) in das Bewusstsein gerückt.

10. Juli 2008 – Schreiben an OBM, Fraktionen des Stadtrates und weitere Persönlichkeiten

Die Adressaten werden auf den Sachverhalt und historischen Zusammenhänge im Fall Binding hingewiesen und um Unterstützung zur Aberkennung der Ehrenbürgerwürde gebeten sowie insgesamt um die Auseinandersetzung mit diesem Thema bis hin zur Unterstützung zur Schaffung eines Mahnmales (Schreiben an OBM, Fraktionen, Rektor usw. 10.07.08). Die Fraktionen der CDU, SPD und der Direktor der Kinderklinik haben darauf reagiert, siehe angefügte Schreiben: Antwortschreiben-SPD-Fraktion-22.07.08, Antwortschreiben-CDU-Fraktion-09.09.08, Antwortschreiben-Prof. Kiess-05.08.08

11. Juli 2008 – Behindertenbeauftragte wendet sich im Namen des Behindertenbeirats an den Kulturbeigeordneten Dr. Girardet:

Bitte um Streichung des Namens Binding von Liste der Ehrenbürger.

6. Oktober 2008 – Schreiben an den Senat der Universität

Bitte an den Senat um Unterstützung zur Schaffung eines Mahnmals im Neubau der Universität (Schreiben an Uni-Senat-Mahnmal-06.10.08).

14. Januar 2009 – LVZ- Artikel zum Mahnmal

In einem umfangreichen Artikel wird darauf verwiesen, dass sich in der Mahnmalsfrage nichts bewegt und wir von einem Meideverhalten der Universität ausgehen müssen (LVZ-Artikel-Uni-Position Mahnmal-14.01.09).

2. Februar 2009 Schreiben des Rektors u.a. wegen dem LVZ-Artikel vom 14.01.09

Der Rektor teilt uns mit, dass sich der Klinik-Vorstand außerstande sieht, einen Beitrag zu leisten, da wir die Oststraße als Standort abgelehnt haben und uns nur auf das Zentrum, den Universitätsneubau, konzentrieren. Prof. Häuser hat es sehr bedauert, dass wir uns über die Presse an die Öffentlichkeit gewandt hatten und so den Eindruck erweckt hätten, dass die Universität diese Angelegenheit auf die lange Bank schiebt. Er will den Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) bitten, unser Anliegen in deren Überlegungen zur Gestaltung mit einfließen zu lassen (Schreiben vom Uni-Rektor wegen Mahnmal-02.02.09).

9. Mai 2009 – Europäischer Aktionstag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung im Rahmen des 5. Mai (LVZ-Unterschriftensammlung-Aktionstag-09.05.09-25.04.09, LVZ-Unterschriftensammlung-Mahnmal-Binding-01.07.09)

Demonstration zum Aktionstag für Menschen mit Behinderungen 9.5.2009

285 Unterschriften zur Schaffung eines Mahnmales im Neubau der Universität werden am 02.07.09 an den Rektor der Universität Prof. Häuser übergeben und 332 Unterschriften am 09.07.09 an den Bürgermeister für Soziales Prof. Fabian zur Aberkennung der Ehrenbürgerwürde von Prof. Karl Binding (LVZ-Artikel-Unterschriftensammlung-01.07.09).

Gedächtnisprotokoll von der Unterschriftenübergabe beim Rektor der Universität am 02.07.09 um 14.00 Uhr; Anwesende: Rektor Prof. Häuser mit seinem persönlichen Referenten Dr. Handschuh, Vorsitzende des Blindenverbandes Frau Kohl, Gebärdensprachdolmetscherin Frau Barth, Geschäftsführer des BVL Herr Jähnig, Vorsitzender des Stadtverbandes Herr Böttcher entschuldigte sich kurzfristig.

Gemälde von Eugen Urban: „Karl Binding und die Dekane des Jubiläumsjahrs 1909“Wir wurden im Vorraum des Rektorenzimmers unter dem Gemälde von Eugen Urban: „Karl Binding und die Dekane des Jubiläumsjahrs 1909“ vom Rektor mit den Worten „Sie wollten mir etwas abgeben.“ begrüßt und stehend abgefertigt, denn einen Stuhl bat man uns nicht an. Er versicherte uns, dass es ein Mahnmal im Universitätsneubau geben wird, aber durch die Insolvenz von Erick van Egeraat wird es dauern.

Weiterhin führte er aus, dass das Mahnmal würdevoll sein muss und zu dem anderen Gedenken der Universität hinzukommt. Die gesamte Atmosphäre war kühl und abweisend. Zur Verabschiedung sagte Prof. Häuser noch, dass Karl Binding (sein Bild hing uns gegenüber) ein bedeutender Wissenschaftler war und es nicht nachvollziehbar ist, dass ihm die Ehrenbürgerwürde entzogen werden soll. Die Euthanasieverbrechen könnten ihm nicht angelastet werden, da er zur Zeit des Nationalsozialismus nicht mehr gelebt hat, Binding starb 1920. Jähnig erwiderte, dass seine wissenschaftliche Leistung nicht in Zweifel gezogen wird, aber die Verantwortung für sein geschriebenes Wort angefragt ist, denn die Früchte, die man säht, wird man auch ernten. In den Diskussionen in der Zeit der Weimarer Republik hat sein mit Hoche verfasstes Werk prägend und entsprechend beeinflussend gewirkt, noch bis in die Zeit nach dem Nationalsozialismus.

Die Unterschriftenübergabe für die Aberkennung der Ehrenbürgerwürde von Karl Binding beim Sozialbürgermeister Prof. Fabian erfolgte in einer sehr angenehmen und vertraulichen Atmosphäre. Wir wurden zu einem ausführlichen Gespäch an einen Tisch gebeten und eine entsprechende Prüfung unseres Anliegens wurde uns zugesichert.

31. August 2009 – Großes Friedensgebet in der Nikolaikirche

Auf den Kriegsbeginn am 01.09.39 wurde der sogenannte Führererlass zu den Euthanasieverbrechen zurückdatiert:

Berlin, 1. Sept. 1939
„Reichsleiter Bouhler und Dr. med. Brandt sind unter Verantwortung beauftragt, die Befugnisse namentlich zu bestimmender Ärzte so zu erweitern, dass nach menschlichem Ermessen unheilbar Kranken bei kritischster Beurteilung ihres Krankheitszustandes der Gnadentod gewährt werden kann.“     Adolf Hitler

Plakat Friedensgebet 70 Jahre Euthanasieverbrechen. 31.08.09Zum Gedenken an die vielen Opfer und zur Mahnung gestaltete der Behindertenverband Leipzig e.V. mit dem Ökumenischen Chor in der Nikolaikirche ein Friedensgebet. Die Predigt hielt der Superintendent Martin Henker. Die Veranstalter erneuerten die Forderung zur Schaffung eines Mahnmales. (Presse-Friedensgebet-70 Jahre Euthanasieverbrechen-31.08.09, Plakat-Friedensgebet-70 Jahre Euthanasieverbrechen-31.08.09)

19. April 2010 – Erneutes Schreiben an den Universitätsrektor Prof. Häuser

Da sich seit fast einem Jahr wieder nichts getan hat, schreibe ich erneut den Rektor an und frage nach dem Planungsstand zum Mahnmal. Demonstration zum Aktionstag für menschen mit Behinderungen. 2010Mit dem Schreiben erfolgt der Hinweis auf den kommenden Europäischen Aktionstag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am 5.5.10, wo ich den Anwesenden gern Bericht erstatten würde (Schreiben an Uni-Rektor-Nachfrage-19.04.10).

22. April 2010 – Antwort des Rektors

So schnell hatte der Rektor noch nicht reagiert. Wir erhielten eine sofortige Antwort mit folgendem Wortlaut: „Sehr geehrter Herr Jähnig, auf Ihre Anfrage vom 19.04.2010 kann ich Ihnen erneut bestätigen, dass die Universität im Foyerbereich des Neuen Augusteums einen „Ort der Stille“ plant, an dem auch ein Euthanasie-Mahnmal aufgestellt werden kann und auch das Ehrenbuch der Universität mit den Opfern der Diktaturen gezeigt werden wird. Was den Baufortgang und die erneute Beauftragung von Erick van Egeraat angehen, beruhen meine Kenntnisse auf der Lektüre der LVZ.   Mit freundlichen Grüßen   Prof. Dr. jur. Franz Häuser – Rektor“ (Antwortschreiben vom Uni-Rektor auf Nachfrage-22.04.10)

Am 18.05.10 erscheint in der LVZ unter der Überschrift: „Raum für Erinnerung“ ein längerer Artikel zur Erinnerungskultur der Universität (LVZ-Artikel-Uni-Mahnmal-18.05.10). Darin führte der Rektor aus, dass der Behindertenverband eine Gedenktafel für die Opfer der Euthanasie-Verbrechen an der Kinderklinik anbringen lassen wollte, aber mit der Kinderklinik bei der Realisierung nicht übereinkam. Also wird jetzt in einem Raum der Erinnerung der Opfer gedacht. Hier hat der Rektor unser Anliegen mit seinen Vorstellungen und Wünschen verwechselt. Unsere Richtigstellung an die LVZ (Richtigstellung-LVZ-Artikel vom 18.05.10 – 19.05.10) wurde leider nicht abgedruckt.

19. Mai 2010 – Stadtrat beschließt Aberkennung der Ehrenbürgerwürde Karl Bindings

Bei fünf Gegenstimmen und einer Stimmenthaltung beschließt der Stadtrat am 19.05.10 die Aberkennung der 1909 an Prof. Karl Binding verliehenen Ehrenbürgerwürde der Stadt Leipzig. Die Begründung für diese Entscheidung kann dem angelegten Text entnommen werden (Begründung für Aberkennung der Ehrenbürgerwürde-19.05.10). Es wurde betont, dass es sich um eine politische und keine fachliche Entscheidung handelte. Dieser Entscheidungsprozess zog sich über einen Zeitraum von ca. 2 Jahren hin und war auch mit persönlichen Anfeindungen verbunden. In einem LVZ- Artikel (LVZ-Sozialbürgermeister-Aberkennung Ehrenbürgerwürde-Binding-25.11.09) vom 25.11.09 hat der Sozialbürger-meister unserer Stadt noch vor der 600-Jahrfeier der Universität auf die Absicht der Stadt verwiesen, die Ehrenbürgerwürde Bindings abzuerkennen. Am Tag der Entscheidung erhielt ich am Vormittag einen anonymen Anruf, wo mir in einem ziemlich aggressiven Ton vermittelt wurde, dass man einer derartig wissenschaftlich anerkannten Persönlichkeit nicht die Ehrenbürgerwürde entziehen könnte. Die wissenschaftliche Leistung stand nie zur Disposition, aber seine Einlassungen zur Euthanasie in dem schon mehrfach erwähnten Buch und die damit verbundene Verantwortung. So eine Einlassung lässt keine Würde zu, sondern ist würdelos (LVZ-Artikel-Uni-Position-Ehrenbürgerwürde Binding-12.05.10).

4. Juni 2010 – Schreiben an Rektor

Wegen der Zusicherung der Aufstellung des Mahnmales im Neuen Augusteum bedanken wir uns. Gleichzeitig fragen wir nach einem Ansprechpartner (Schreiben an Uni-Rektor-Ansprechpartner-04.06.10).

14. Juni 2010 – Antwortschreiben des Rektors

Der Rektor bezieht sich noch einmal auf den LVZ- Artikel vom 18.05.10 und unserer Richtigstellung  vom 19.05.10 und meint, dass es sich um ein Missverständnis gehandelt haben muss. Als Ansprechpartner nennt er uns den Dezernenten Titus Werner (Antwortschreiben vom Uni-Rektor auf Anfrage-14.06.10).

2. Juli 2010 – Schreiben an T. Werner

Bitte um einen Gesprächstermin (Schreiben an Dezernenten T. Werner-02.07.10).

21. Juli 2010 – Gespräch mit Klärung von Einzelheiten wie Steingröße

Treffen von Jähnig mit Herrn Piesk, Herrn Werner und Frau Hiersemann. Mahnmal wird für Einarbeitung vorgeschlagen und die genaue Größe mitgeteilt. Uns wird mitgeteilt, dass noch Dr. Blecher überzeugt werden muss und außerdem eine Aufnahme einer Darstellung mit modernen Medien erfolgen soll. Wir sollen wegen dem weiteren Vorgehen Bescheid bekommen. Die Fertigstellung sein nicht vor Ende 2012 zu erwarten. Am 21.07.10 informiere ich auch den Künstler.

Am 9. Dezember 2010 frage ich Herrn Titus am Rande einer Veranstaltung nach dem Stand der Dinge.

Ich sollte mich direkt an Herrn Dr. Blecher wenden, was noch am gleichen Tag geschah.

Am 4. April 2011 erfolgt die Rücksprache durch Herrn Dr. Blecher, dass es frühestens im Juni, aber eher September erfolgen soll. Der vorgeschlagene Raum sei aber eher zu klein, so dass es wahrscheinlich zu einer Präsentation im Foyer über eine Leinwand kommen wird.

6. Mai 2011 – OBM B. Jung eröffnet Gedenkort

Am 06.05.11 wird der neue Gedenkort im Friedenspark – Die ´Wiese Zittergras´ und der `Weg Lebwohl`- (Ratsbeschluss-Gedenkort-Kindereuthanasieverbrechen-24.03.10) vom Oberbürgermeister B. Jung feierlich eingeweiht. Gedenkort. 6.5.2011Unweit des Gedenkortes befinden sich ca. 100 Gräber von Kindern, die den Euthanasieverbrechen zum Opfer fielen und auf dem ehemaligen Neuen Johannesfriedhof ihre letzte Ruhestätte fanden (Amtsblatt-Gedenkort-21.05.11, LVZ-Artikel-Gedenkort-7. 8.05.11).

Ab dem 1. März 2011 wird Prof. Dr. med. Beate A. Schücking als Nachfolgerin von Prof. Häuser neue Rektorin der Universität Leipzig.

27. Dezember 2011 – 1. Schreiben an neue Universitätsrektorin Prof. Schücking

In diesem umfangreichen Schreiben schildern wir den bisherigen Werdegang der Bemühungen zur Schaffung eines Mahnmales und bitten nach ca. 7 Jahren Bemühungen  um Umsetzung. Eine Zusage vom alten Rektor lag uns ja mit Datum vom 22.04.10 schriftlich vor. Wir baten auch um einen Gesprächstermin (Schreiben an Uni-Rektorin-Schaffung-Mahnmal-27.12.11).

29. August 2012 – 2. Schreiben an Frau Prof. Schücking

Da es über ein halbes Jahr keine Reaktion gegeben hatte, fragte ich erneut per Brief an und bat um Informationen und einen Gedankenaustausch (Erinnerungsschreiben an Uni-Rektorin-29.08.12).

20. September 2012 – Antwortschreiben der Rektorin

Zunächst entstand bei mir der Eindruck, dass alles wieder von vorn beginnt. Die Rektorin meinte, dass es keine Zusage seitens der Universität für die Aufstellung des Mahnmales im Neuen Augusteum gegeben hätte und sie favorisierte den Bereich der Medizin. Dennoch wird von ihr ein Ortstermin vorgeschlagen (Antwortschreiben von Uni-Rektorin-20.09.12).

28. September 2012 – Antwortschreiben von Jähnig an Rektorin

Bzgl. der Originalschauplätze in der Medizin wurde noch einmal unser Standpunkt vermittelt, dass es ohne Publikumsverkehr ein leeres Gedenken wäre. Ein Ortstermin wurde für den 19.10.12 zugesagt (Antwortschreiben an Uni-Rektorin-28.09.12).

19. Oktober 2012 – Ortstermin im Neuen Augusteum

Treffen im Neuen Augusteum am Raum A 002, dem vorgesehenen Erinnerungsraum. Teilnehmer waren Dr. Handschuh, Herr Werner, Herr Pieske, Frau Hiersemann und Jähnig.

Es gibt noch kein abschließendes Konzept, aber eine Betonseitenwand wäre für das Mahnmal geeignet und statisch auch möglich, falls es zu einer Realisierung kommen sollte. Rektorin will eine kleine Arbeitsgruppe für das Konzept einsetzen (Protokoll-Vorortbesuch-19.10.12).

Weitere 2 Jahre passiert nichts.

25. September 2014 – 3. Schreiben an Rektorin, Erneutes Erinnerungsschreiben

Da fast zwei Jahre nichts passiert ist, schreibe ich erneut die Rektorin an. Der Brief endet mit dem Satz: „ Baulich ist es nicht zu spät und es wäre schön, wenn dieses Gedenken gemäß der schon gegebenen Zusage doch noch Realität werden wird.“ (Erinnerungsschreiben an Uni-Rektorin-25.09.14).

16. Januar 2015 – Antwortschreiben der Rektorin

Die Aufstellung des Mahnmales im Neuen Augusteum wird nach verschiedenen Rücksprachen für ungeeignet gehalten. Ihr Vorschlag geht dahin, das Mahnmal im neuen Bildungscampus in der Jahnallee aufzustellen. Einzelheiten mögen bitte über Herrn Prof. Hofsäss, den Prorektor für Bildung und Internationales, besprochen werden (Antwortschreiben von Uni-Rektorin-16.01.15).

13. April 2015 – Schreiben Jähnig an Rektorin-Stellungnahme zum Mahnmalstandort

Es erfolgt ein kurzer historischer Abriss sowie ein Vorschlag für eine Ausstellung im Bildungscampus in Verbindung zum Psychiatriemuseum und Pirna Sonnenstein sowie Bernburg. Das Mahnmal aber im Herzen der Universität im Zentrum der Stadt belassen. Wenn der Raum ungeeignet ist, auch anderer Platz im Zentrum möglich.

Zitat aus dem Brief:

Ich finde es hervorragend, wenn das Thema in die Ausbildung von Lehramtsstudierenden am Beispiel der Verbrechen an den Kindern in Leipzig und natürlich darüber hinaus einfließt, ja hoffentlich auch schon eingeflossen ist. Dazu sollte bzw. könnte eine Ausstellung in die Planung auf dem Campus Jahnallee unbedingt integriert werden (Ausstellungsmaterial wurde u.a. über den Psychiatriekoordinator, Herrn Seyde, schon erarbeitet und liegt anderenorts vor). Außerdem könnten vorhandene Ausstellungen wie das Psychiatriemuseum in Leipzig sowie die Gedenkstätten in Pirna/Sonnenstein bzw. Bernburg über Tagesexkursionen an authentische Orte in die Ausbildung einbezogen werden. 

Das Euthanasiemahnmal sollte jedoch im Herz der Universität im Zentrum der Stadt aufgestellt werden, da es alle Bereiche und Personen betrifft und alle zum Gedenken und zur Auseinandersetzung einladen soll wie es der Künstler durch unsere Arbeitsgruppe bestätigt ausgedrückt hat: „Wider das Vergessen  In Vergangenheit Gegenwart Zukunft“.

Wenn Sie den von der Universitätsleitung einmal selbst vorgeschlagenen Raum nun für ungeeignet halten, so können wir da mit Sicherheit gut mitgehen, war es doch nur ein Kompromiss, dem wir uns allerdings nicht verweigern wollten. Auch wir fänden es wichtig, dass dieses Mahnmal öffentlich zugängig ist, denn ein verschlossenes Gedenken macht wahrhaft keinen Sinn.

Mit Sicherheit könnte man doch im Neubau des Universitätsgebäudes einen würdigen und einsehbaren Platz für den Gedenkstein von 100 cm x 80 cm bei 30 cm Tiefe finden.

An unterschiedlichen Vorschlägen hat es über die Jahre nicht gemangelt, aber die Universitätsleitung hat unsere Vorschläge immer wieder verworfen, auch mit dem Hinweis, dass ein Gedenkstein nicht zeitgemäß sei. Der “Raum des Gedenkens“ bzw. auch „Ort der Stille“ genannt, kam uns dann wie ein Rettungsanker seitens der Planer vor, um alle Interessen bündeln zu können.“ (Stellungnahme zu Schreiben der Rektorin-13.04.15)

15. Mai 2015 – Referentin für Inklusion des Studentenrates per Mail informiert

Der Studentenrat hatte uns Unterstützung zugesagt und wurde deshalb von mir informiert ( E-Mail-Jähnig an Studentenrat-15.05.15).

1. Juni 2015 – Antwortschreiben der Rektorin

Rektorin möchte eine konsensuale Lösung für den Aufstellungsort erreichen und teilt uns mit, dass ein Termin von Prof. Hofsäss mit uns vereinbart wird (Schreiben von Rektorin-01.06.15).

9. Juli 2015 – 1. Gespräch mit Herrn Prof. Hofsäss

An diesem Gespräch mit dem Prorektor nahm neben meiner Person auch die Behindertenbeauftragte Frau Hiersemann teil. Wir tauschten in einem sehr konstruktiven Gespräch unsere Meinungen und Standpunkte aus und vereinbarten einen Ortstermin für den 13.08.15 im Neuen Augusteum.

Der 13. August ist als der Tag des Mauerbaues in die Geschichte eingegangen. Am 13.08.15 sind jedoch bzgl. des Mahnmales Mauern gefallen, zumindest dachte ich das nach dem Treffen vor Ort:

13. August 2015 – Ortstermin im Neuen Augusteum und Durchbruch

Wir hatten uns im Foyer verabredet und stellten als Vorschlag für eine mögliche Aufstellung des Mahnmales ein Modell vor die Seite der Universitätskirche im Foyer auf. Dieses Modell weckte sofort Aufmerksamkeit und ein technischer Mitarbeiter fragte uns ganz aufgeregt, was das denn werden soll. Wir verwiesen auf das Treffen mit dem Prorektor, was kurze Zeit später auch im Erinnerungsraum stattfand.

Neben dem Prorektor Prof. Hofsäss nahmen Herr Werner, Herr Pieske, Frau Hiersemann und Jähnig teil.

Das Mahnmal am Bildungscampus aufzustellen war Vorschlag des Rektorats und Ausgangspunkt. Das Mahnmal im Neubau der Universität / Universitätskirche bzw. Neuen Augusteums aufzustellen und eine Dauerausstellung im neuen Bildungscampus einzurichten war Anfrage bzw. Vorschlag von G. Jähnig. Ortsbegehung 13.8.2015Eine Dauerausstellung im neuen Bildungscampus wurde von Prof. Hofsäss zugesagt und von ihm als Standort für das Mahnmal der Haupteingang des Neuen Augusteums als Lösung angefragt, ja vorgeschlagen. Frau Hiersemann und ich waren sofort einverstanden.

Es gab nur einen kleinen Haken. Wir befanden uns nun auf dem Gelände der Stadt. Jetzt galt es dieses Problem zu lösen, was war zunächst nicht als Problem geglaubt hätten. Mit Optimismus verließen wir die aus unserer Sicht sehr erfolgreich gewesene Ortsbegehung.

20. August 2015Neuer Mahnmal-Entwurf durch Matthias Klemm

Mahnmal-Entwurf-Spielklötzer-Matthias Klemm-20.08.15Nach dem Ortstermin informierte ich den Künstler Matthias Klemm, dass das Mahnmal nicht mehr in eine Wand eingearbeitet, sondern frei vor dem Neuen Augusteum stehen soll. Daraufhin erarbeitete Herr Klemm neue Entwürfe. Ein Mahnmal aus Steinspielklötzern mit oberer Aufschrift: „Wider das Vergessen  In Vergangenheit Gegenwart Zukunft“. Eine geniale Idee: Das Spiel der Kinder wird durch die Kindereuthanasieverbrechen je unterbrochen. Unser Gestaltungsfavorit in der Anordnung der Spielklötzer ist hier abgebildet. (Mahnmal-Entwurf-Spielklötzer-Matthias Klemm-20.08.15)

19. August 2015 – Ausstellungskonzeption von G. Jähnig

Auf Bitten von Prof. Hofsäss erarbeite ich einige Grundgedanken für die geplante Ausstellung als Rahmenkonzept und benenne weitere wichtige Ansprechpartner (Ausstellungskonzeption-Grundgedanken-Jähnig-19.08.15).

23. November 2015 – Behindertenbeiratssitzung – Vorstellung Stand Mahnmal

G. Jähnig informierte zum Sachstand des Euthanasiemahnmales und stellt den neuen Entwurf von Matthias Klemm vor. Alle Beiratsmitglieder stimmten für diesen Entwurf und beschließen, einen Antrag an den Stadtrat zu erarbeiten (Protokoll-Behindertenbeirat vom 23.11.15). Mit E-Mail vom 18.01.16 bat ich um eine Protokollergänzung (Protokollergänzung zum 23.11.15 per E-Mail), die dann in das Protokoll vom 14.03.16 aufgenommen wurde (Protokoll-Behindertenbeirat vom 14.03.16).

Mit Datum vom 15. März 2016 erhalten wir ein Kostenangebot vom Steinmetz zur Herstellung des Mahnmales als Orientierung für den Antrag.

26. Mai 2016 – Ortstermin Mahnmal-Augusteum mit Vertretern der Stadt

Teilnehmer: Herr Dr. Scholz (Sachgebiet Bauinvestition), Frau Gnoyke (Stadtplanungsamt), Frau Hiersemann (Behindertenbeauftragte) und G. Jähnig

Wir stellen das beabsichtigte Mahnmalprojekt vor, um es später im Sachverständigenforum vorstellen zu können. Unser Ansinnen wird abgelehnt, da nicht relevant, weil es mit Verweis auf den Stadtverordnetenbeschluss vom 24.03.10 schon einen Gedenkort gibt (E-Mail-Ergebnis des Ortstermins-31.05.16). Jähnig hat entsprechend reagiert und erneut auf das eigentliche Anliegen hingewiesen und bekam dann eine Antwort von der Kulturamtsleiterin mit dem Hinweis auf Erstellung einer Vorlage (E-Mail-Jähnig an Dr. Scholz-02.06.19, E-Mail-Kulturamtsleiterin an Jähnig-03.06.16).

10. Juni 2016 – Schaffung eines Euthanasiemahnmales-Unterstützungsanfrage

Alle Fraktionen des Stadtrates und alle Behindertenbeiratsmitglieder werden zur Unterstützung des Anliegens angeschrieben (Unterstützungsanfrage-Mahnmal-Fraktionen-10.06.16).

Mit der Antragsnummer VI-A-02487 wird vom Behindertenbeirat ein Antrag: „Errichtung eines Gedenksteines zur Mahnung an die NS-Kindereuthanasie in Leipzig“ bei der Stadt Leipzig eingereicht. Das genaue Datum ist mir nicht bekannt. Der Status des Antrages ist „nichtöffentlich“. Da ich den Text hauptsächlich verfasst hatte, kann ich ihn hier trotzdem wiedergeben (Gedenkstein-UNI-Haupteingang-Entwurf für Antrag-19.10.15).

Am 24.06.16 beschäftigt sich der Kulturausschuss und am 11.08.16 der Sozialausschuss und der Stadtbezirksbeirat Leipziger-Mitte mit dem Thema. Das Sozialdezernat erarbeitete einen Alternativvorschlag, der der Anlage zu entnehmen ist und wohl so am 21.09.16 verabschiedet wurde. Ich zitiere den letzten Satz des Verwaltungsstandpunktes:

Das Anliegen des Behindertenbeirates, an zentraler Stelle an die Verstrickung der Universität Leipzig in die NS-Euthanasieverbrechen zu erinnern, würde nicht entsprochen werden, wenn die Stadt Leipzig den Gedenkort schafft. Ein solcher Gedenkort wird seine Wirkung nur dann entfalten, wenn er von der Universität Leipzig selbst entwickelt, geschaffen und finanziert wird.“ (Verwaltungsstandpunkt-Mahnmal-August-2016)

Am 02.09.16 positioniert sich G. Jähnig zu einem Artikel in der li-z (l-iz-Artikel-Stellungnahme Jähnig-02.09.16).

LVZ-Artikel vom 22.09.16 klingt sehr positiv: „Ein Gedenkstein vor dem Augusteum soll an die NS- Kindereuthanasie erinnern, die in Leipzig ihren Anfang nahm. Das hat der Behindertenbeirat vorgeschlagen. Die Verwaltung will nun Kontakt mit der Universität aufnehmen und sie ermuntern, diesen zu errichten und auch zu finanzieren.“ (LVZ-Artikel-Gedenkstein vor Augusteum-22.09.16)

26. September 2016 – Behindertenbeiratssitzung – Stand Mahnmal

G. Jähnig außert sein Unverständnis zum Verwaltungsstandpunkt der Stadt bzgl. des Mahnmales (Protokoll-Behindertenbeirat vom 26.09.16).

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Vom Mahnmal zurück zur Ausstellungsgestaltung. Mahnmal- und Ausstellungs-Vorbereitungen laufen parallel:

26. Februar 2016 – 1. Zusammenkunft und Konstituierung der Ausstellungs- AG

Prorektor Prof. Dr. Th. Hofsäss hatte verschiedene Wissenschaftler, Historiker und Hochschullehrer, Psychiatrie- und Behindertenbeauftragte, Leiter der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein und des Psychiatriemuseums zu einer ersten Zusammenkunft eingeladen, um über die Ausstellungsstruktur einer Dauerausstellung zur Kinder-“Euthanasie“ im neuen Bildungscampus in der Jahnallee/Marschnerstr. in der Achse zum Psychiatriemuseums zu beraten. G. Jähnig stellte zunächst in einem Kurzreferat die bisherigen Aktionen und Bemühungen für das Mahnmal und die Ausstellung vor, immerhin eine Zeitspanne von ca. 11 Jahren.

Nach dieser Darstellung entschuldigte sich Herr Prof. Hofsäss im Namen der Universität, dass der Prozess der Aufarbeitung für das Gedenken so lange gedauert hat. Es war eine zutiefst überzeugende Geste.

Es wurden verschiedene Ideen entwickelt, Materialien im weiteren Verlauf zugearbeitet und weitere Treffen vereinbart.

27. Mai 2016 –  2. Zusammenkunft der Ausstellungs- AG (Protokoll-Ausstellungs-AG-27.05.16)

8. Juli 2016 – 3. Zusammenkunft der Ausstellungs- AG

18. April 2017 – Ortstermin im Bildungscampus wegen Dauerausstellung

Prof. Hofsäss, Prof. Popp, Prof. Brieler, Frau Hiersemann und G. Jähnig

Im Vorfeld hatte Jähnig wegen dem Meideverhalten der Stadtverwaltung noch 2 Vorschläge für die Aufstellung des Mahnmales im Gelände und Komplex der Universität im Innenhof und an der Außenwand der Universitätskirche vorgeschlagen, die u.a. aus urheberrechtlichen Gründen von der Universität abgelehnt worden.

Es musste ein Kompromiss gefunden werden und so kam es zum Konsens für die Errichtung des Mahnmales aus Spielsteinen (Entwurf von Matthias Klemm) am Bildungscampus in der Achse zum Psychiatriemuseum (siehe auch Schreiben an Prorektor-16.05.17).

31. Mai 2017 – Treffen mit Dr. Bärmig und Herrn Kärger wegen studentischer Arbeit des Erinnerns

Es ergab sich wieder eine längere Phase des Stillstandes, die für mich nicht nachvollziehbar war. Nach verschiedenen Gesprächen und E-Mails erhielt ich dann am 11.01.18 eine E-Mail von Frau Elisabeth Luther zum Stand der Ausstellungsvorbereitungen  (E-Mail-Luther-Jähnig-10.01.18).

20. März 2018 – Treffen wegen Stand der Dauerausstellung in UNI- Beethovenstr.

Prof. Kenkmann, Prof. Hofsäss, Frau Luther, Herr Karger, Dr. Bärmig, Herr Seyde, Prof. Brieler (Einladung für 20.03.18)

Herr Prof. Krenkmann und Frau Luther stellten das Exposé für die Dauerausstellung vor. Es wurde diskutiert und sehr positiv aufgenommen wurde (Protokoll-Ausstellung-20.03.18).

4. Juli 2018 – Ortstermin wegen Ausstellungsfläche und Ort für das Denkmal

Prof. Kenkmann, Prof. Hofsäss, Frau Luther, Prof. Brieler, 3 weitere UNI-Mitarbeiter, Frau Hiersemann und G. Jähnig

Den Anwesenden wurden die Ausstellungsfenster (Vitrinen) vorgestellt, deren Fläche leider hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist. Als Fazit muss der Ausstellungsumfang reduziert werden. Im Außengelände wurden 2 mögliche Stellen für das Mahnmal im Konsens ausgewählt (Protokoll-Ortsbegehung-04.07.18).

Im Rahmen der Eröffnung des Neuen Bildungscampuses wurde die Dauerausstellung am 28. September 2018 in der Marschnerstr. 29E (Haus 5) gegenüber der Bibliothek eröffnet.

Dauerausstellung 2018Ich finde die Ausstellung trotz des kleinen Raumes bzw. der kleinen Fläche sehr gelungen, aussagekräftig und vor der Bibliothek der angehenden Lehrer und Erziehungswissenschaftler hervorragend platziert. Ein Kompliment an die Ausstellungsmacher. Zur Ausstellung gibt es die Broschüre:

Ausgegrenzt, entwürdigt, vernichtet

„Euthanasie“ und Zwangssterilisation in Leipzig

Bildquellen: Behindertenverband Leipzig e.V.

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